01. Juli 2009

Abenteuer iPhone Programmierung

Genau wie ich denken derzeit sicher auch eine ganze Menge anderer Programmierer darüber nach, sich auf Apples iPhone zu versuchen. Vermutlich liegt es an der Goldgräberstimmung in Apples AppStore, angetrieben durch zahlreiche Meldungen, dass man hier quasi über Nacht reichlich Ruhm, Ehre und nicht zuletzt Geld verdienen kann.

Das ist es jedoch nicht was mich reizt: Ich bin einfach neugierig darauf, was mich im AppStore als Publisher erwartet, schließlich war ich schon immer verrückt nach Auswertungen und Charts. Mehr noch als das Standard-Program reizt mich wenn ich ehrlich bin auch die Enterprise-Variante, doch die Eingangshürde von 500 Mitarbeitern schaffe ich in nächster Zeit wohl eher nicht. AppStore statt Eigen-Deployment muss also reichen. Doch auch hier will ich natürlich vor einer Investition von $99 pro Jahr wissen, welche Klippen die Programmierung für das iPhone bietet.

Das Abenteuer iPhone-Programmierung startet für mich dabei auf http://developer.apple.com/. Hier findet sich mit XCode (verpackt als iPhone SDK) alles was man für die Mac oder iPhone Entwicklung braucht -- Das ganze obendrein auch noch gratis. Persönlich finde ich das für Einsteiger schon mal deutlich interessanter als die mir vom PC bekannten Visual Studio Konditionen.

Ich hatte im Vorfeld bereits mehrere Bücher zum Thema iPhone-Programmierung auf Amazon gesichtet, und da sie nicht sonderlich dick sind stelle ich mir den Einstieg zunächst einfach vor.

Die erste dicke Überraschung kommt dann aber, wenn man sich einmal näher mit den Voraussetzungen von denen diese Bücher ausgehen beschäftigt:

  • Zunächst einmal wäre das, dass man Objective-C 2.0 beherrscht. Selbiges ist zwar objektorientiert, aber doch schon recht unterschiedlich zu dem was wir Enterprise-Programmierer mit Java gewohnt sind.
  • Objective C widerum setzt voraus, dass man irgendwann C als Sprache vollständig gefrühstückt hat. C kannte ich jetzt glücklicherweise schon aus Uni-Zeiten, allerdings werde ich wohl zum x-ten mal in meinem Leben den Kernighan/Ritchie lesen müssen. Die gute Nachricht: Meine mühsam in der Vergangenheit erlernten C++ Fähigkeiten darf ich getrost vergessen.
  • Mit Objective-C und C hätten wir so schon mal die nötigen Programmiersprachen an der Hand. Fehlt also nur noch Cocoa als GUI-Framework. Schon auf den ersten Seiten der von mir gewählten Literatur erfahre ich aber, dass es bei der iPhone Entwicklung sinnvoll ist, in der Mac-Programmierung mit Cocoa bereits geübt zu sein. Auch hierfür werden weitere Studien und Literatur nötig.
  • Ab den iPhone-Frameworks helfen mir dann aber endlich die glücklicherweise eher schmalen iPhone-Entwickler-Handbücher mit den nötigten Rezepten und schließlich stellt ja auch Apple eine Menge an Online-Dokumentation bereit.

Ein erstes Fazit: Das iPhone ist offensichtlich noch mehr Mac und OS X als ich bisher schon dachte.

Mir ist nun folgendes klar: Auf dem Weg zum iPhone-Entwickler liegen eine Menge Steine im Weg. Ich bin froh, dass ich noch nicht meine Jahres-Gebühr für das Standard-Program bezahlt habe, denn die $99 werden regelmässig fällig und bis ich AppStore-Zugang brauche wird es sicher noch ein klein wenig dauern.

Literaturliste:

  • Amin Negm-Awad: Objective-C und Cocoa Band 1: Grundlagen
  • Aaron Hillegass: Cocoa Programming for Mac OS X
  • Stephen Kochan: Programming in Objective-C 2.0
  • Brian W. Kernighan, Dennis Ritchie: The C Programming Language

Und direkt zum Thema iPhone SDK:

  • Dave Mark, Jeff Lamarche: Beginning iPhone Development: Exploring the iPhone SDK
  • Erica Sadun: The iPhone Developer's Cookbook: Building Mobile Applications with the iPhone SDK
  • Christopher Allen, Shannon Appelcline: Iphone in Action: Introduction to Web and SDK Development

Vorsicht: Neuauflagen zur SDK 3.0 stehen kurz vor dem Start. Die englischen Ausgaben zum SDK 2.2 sind dadurch zwar derzeit recht günstig und sicher nicht völlig hinfällig. Mir erscheint der Kauf aber als noch nicht nötig, schließlich wollen erst einmal die OSX-Programmier-Grundlagen erarbeitet sein.

30. Juni 2009

Es holpert

Ich bin aus der Übung. Vor ein paar Monaten als ich noch regelmäßig gebloggt habe, hatte ich noch das Gefühl, einen eigenen Schreibstil zu haben. Ich musste auch nicht ein Dutzend mal meine Artikel überarbeiten, bis sie flüssig zu lesen waren. Nun läuft es mit den Satzzeichen nicht rund, selbst die Gross-/Kleinschreibung hakelt und ich wünsche mir den Duden auf's Smartphone.

Das ist nun der Effekt von endlosem Microblogging: Ich bin was Blogging angeht wieder untrainiert. Und der Entwurfsmodus ist mein alter bester Freund.

[via iBlogger / iPhone]


Wieviel Kontakt braucht der Mensch?

Hunderten von Menschen auf Twitter oder Facebook folgen:  Für einige ist das ein Ziel, aber ist es nicht eigentlich Irrsinn? Viele würden sagen: Mehr als 50 Freunden und Bekannten kann man gar nicht gerecht werden.

Mass-Following auf Twitter kann aber durchaus Sinn machen, wenn man geeignete Filter zur Verfügung hat. Tatsächlich habe ich pro einzelnem Thema auf Twitter selten mehr als 20 Kontakte. Die hohen Following-Zahlen erklären sich nur dadurch, dass ich versuche, über alle meine Themen auf dem Laufenden zu bleiben.

Im richtigen Bekanntenkreis verhält man sich nicht so: Ich würde mich unweigerlich verzetteln. Auf Twitter und Co ist es aber kein Problem, weil Nachrichten kurz sind, die Kommunikation asynchron ist, niemand eine Reaktion oder Antwort voraussetzt und viele Kontakte so kein Problem darstellen. Ich konsumiere nur so viel ich will und stets nur das was mich gerade interessiert. Niemand erwartet dass ich alles lese. Und nur die letzten paar Stunden eines Themas sind von Interesse.

Oft gibt es zu einem Zeitpunkt nur ein einziges Thema das mich interessiert. Zu dem habe ich dann um die 20 passende Kontakte. Ein Luxus: So viele reale Bekannte habe ich zu einem einzelnen Hobby sicher eher nicht zur Hand.

Die Macht von Twitter ist, dass ich wenn mich ein Thema brennend interessiert ich schnell eine Gruppe Gleichgesinnter finden kann. Diese zu treffen ist meist kein Problem. Meine Beobachtung ist, dass Twitternutzer echten Sozialkontakt lieben.

Natürlich werden nicht alle davon echte Freunde oder intensive Bekanntschaften. Manche Kontakte sind sehr sporadisch. Aber ich fühle mich zu einem Thema auch niemals allein.

[via iBlogger / iPhone]


29. Juni 2009

Der lange Weg nach Twitterville

Ich war in den letzten Monaten vier mal auf Tweetups, Treffen also, auf die sich Twitternutzer verabreden. Da man dort überwiegend neue Menschen kennenlernt und natürlich Kontakte knüpfen will, braucht man für Gespräche ein gemeinsames Thema. "Wie es bei einem selbst mit dem Microblogging angefangen hat" liegt da natürlich als Einstieg auf der Hand.

In diesen Gesprächen stellte ich fest, dass fast alle irgendwann irgendwie mitkriegen der Dienst wäre toll. Man legt dann einen Account an, schreibt ein bis zwei Tweets, sucht nach Freunden und stellt nach ein bis zwei Wochen fest, dass nichts spannendes passiert. Danach liegt der Account monatelang brach.

Der gedankliche Fehler liegt dabei in der Idee, man würde auf Twitter Menschen folgen. In Wahrheit folgt man aber Themen. Twitter ist kein Werkzeug um sein bestehendes soziales Netzwerk nachzubilden. Es ist eine Suchmaschine für aktuelle Stimmungslagen zu einem Thema.

Gehe ich so an die Sache heran, suche mir aktuelle Tweets zu meinen Themen und folge zu jedem davon einem Dutzend zufälliger Leute, die etwas für mich interessantes dazu geschrieben haben, beginnt Twitter plötzlich Sinn zu machen: Ich erhalte einen topaktuellen und oft spannenden Nachrichtenstrom.

Der Rest geht dann fast von allein: Menschen denen ich folge folgen in der Regel auch zurück. Steige ich nun in die Diskussion mit ihnen ein, bildet sich über das gemeinsame Thema ein neuer Kontakt. Hunderte davon in wenigen Wochen ist dabei keine Ausnahme, sondern eher die Regel.

[via iBlogger / iPhone]


12. März 2009

Was bewirbt was?

IMG_0937 In einer ruhigen Minute habe ich heute das hier auf dem iPhone gekritzelt (Malen geht dann halt doch oft schneller als Schreiben).

Die Skizze stellt das erste Muster dar, das wir zum Thema "Soziale Anwendungen im Unternehmen" in unserer Firma entdeckt haben, und soll mich daran erinnern, wieder mehr zum Thema zu bloggen (socialapps.de).

15. Februar 2009

Eingesperrt

Es war nie so leicht wie heute das Betriebssystem zu wechseln. Windows ist nicht wirklich eine Einbahnstraße mehr; dank offener Standards kann ich meine Dokumente in der Regel leicht auf anderen Plattformen wiederbenutzen:

  • PDF hilft mir meine Dokumente in die Welt zu verteilen ohne dass jeder gleich Word braucht
  • Offene Dokumentformate erlauben das Verbinden von Welten
  • Das Internet und das dort aufkommende Cloud-Computing setzt in vielen Fällen nur noch einen Browser voraus, damit ich teilnehmen kann.

Ich glaube auch Microsoft tut das gut: Es gibt viele Argumente dafür, einen Windows PC zu benutzen. Es passt nur bei mir nicht mehr auf die Arten von Arbeit die ich erledigen möchte.

Ich fühle mich derzeit nicht mehr durch MS Office eingesperrt, und das macht mir Microsoft auch wieder sympathischer. Würde ich mehr spielen, hätte ich bestimmt neben einem Mac auch noch einen PC. Oder hätte Windows in Bootcamp installiert. Lizenz ist Lizenz, Microsoft ist was das angeht sogar offener als Apple (aber Apple hat halt ein anderes Konzept, über das man wie in allem mit den Füssen abstimmen kann. Schließlich gibt es ja auch noch Linux).

Dokument-Formate und Portabilität von Daten sind der Schlüssel für dieses Freiheitsgefühl. Dass Anwendungen nur für Mac oder nur für Windows existieren spielt eine untergeordnete Rolle.

Gestern hatte ich allerdings einen Fall, in dem Microsoft meiner Meinung nach nachbessern muss. Aus Image-Gründen. Denn da stellte sich urplötzlich eine Kommunikationskomponente als Vendor-Lock-In heraus, namentlich der Microsoft Messenger.

Man kann zum Messenger stehen wie man will: Kids benutzen ihn gerne. Mein Sohn auch. Seine ganze Klasse benutzt ihn als Werkzeug. Klar, das Tool ist kostenlos. Und ja, das Core-Messaging davon funktioniert auch mit Fremdtools wie Adium auf anderen Plattformen. Aber es gibt ein anderes Problem.

Als ich im letzten Monat beschlossen habe ein neues macbook anzuschaffen, haben sich meine Zwerge um das alte macbook fast geprügelt. Allerdings nur bis zu dem Punkt, an dem mein Sohn merkte, dass sein Lieblings-Messenger zwar vorhanden ist, aber nicht alle Features auf dem Macintosh bietet. Es ist wichtig für seine Community, dass er mit allen Features wie Messenger-Spielen, grafischem Schnickschnack und Voicechat voll eingebunden ist. Er fühlt sich sonst nicht als Teil. Und das ist der Lock-in:

  • Nur unter Windows ist der MS Messenger vollständig
  • Die meisten Mitglieder der Community meines Sohnes benutzen Windows
  • Der Messenger ist ein Tool das "nebenläufig" zu anderen Programmen im Hintergrund seine Dienste tut

Besonders der letzte Punkt wirkt sich dramatisch aus: Er ist nicht durch Bootcamp oder mehrere installierte Betriebssystem zu lösen. Wenn mein Sohn die OSX Anwendungen mag, ihm aber nur der passende Messenger als Zugang zu seinem Sozialen Netz fehlt, sperrt ihn das mehr ein als das ein Office-Paket je tun könnte.

Kommunikations-Software dient dazu mein Netz an Sozialkontakten zu pflegen. Sie sollte uns gerade wegen ihres sozialen Charakters nicht auf einem Betriebssystem einsperren. Wenn freie Kommunikationslösungen das nicht gleichwertig auf allen Plattformen tun, heißt für mich "kostenlos" ganz bestimmt nicht "ohne Preis".

Ich fände es schön wenn Microsoft hier nachbessert. Es wäre gut für das Image. Und ich würde exakt mit so etwas werben: "At Microsoft we don't lock you in".

15. Januar 2009

Autorenblogs

Im privaten Umfeld ist Bloggen in der Regel einfach. Das Muster dabei ist "Ein Weblog pro Thema". Auch für Firmen und Gruppen passt dieses Basis-Muster recht gut, jedoch gibt es hier mehrere Stimmen und Meinungen.

Man kann als Gruppe versuchen mit einem Autor auszukommen und einen Gruppenkonsenz zu bloggen, authentischer und für den Leser spannender ist es jedoch, wenn die einzelnen Stimmen und Meinungen sichtbar werden. Genau das leisten Autorenblogs, in denen die jeweiligen Inhalte eindeutig einer Person zuzuordnen sind.

Diese Inhalte sind in der Regel deutlich aktueller, da der Konsenz der Gruppe nicht erst erreicht werden muss. Die Inhalte werden kantiger, was den Diskussionsprozess mit der Außenwelt fördert.

Autorenblogs werden von Lesern als wertvollere Infoquelle angesehen und folglich auch eher abonniert. Sie sind damit meiner Meinung nach ein exzellentes Muster für den Einsatz von Weblogs im Unternehmen.

07. Dezember 2008

Erste Idee zur Visualisierung von Akzeptanz

Wenn ich Muster für die erfolgreiche Einführung neuer Themen in Gruppen finden und dokumentieren will, ist es sinnvoll, eine geeignete Form zur Visualisierung an der Hand zu haben. Das hier ist ein früher erster Wurf dafür, den ich in den nächsten Tagen noch präzisieren will. Das hier eben nur als aktuelle "Grundidee":

VisAcceptance

Zur Erläuterung (denn die Skizze oben ist noch recht kryptisch): Relevant sind für mich die Individuen der Gruppe (gelb) sowie das Thema (rot). Die These ist, dass Themen durch Bewerbung (Pfeile) in das Bewußtsein von Individuen gelangen und sich dort mehr oder weniger als Verhalten (rot in gelb) manifestieren. Interessant ist dabei der Effekt von Bewerbung und was nach Wegfallen der Bewerbung passiert.

Eine These ist es, dass ein Thema nur wenn es "klickt" (100% Akzeptanz) in den Köpfen bleibt. Ansonsten fällt die Akzeptanz nach Ende der Bewerbung auf den Themen-unbewußten Zustand (0% Akzeptanz) zurück.

Der obigen Visualisierungsidee fehlt noch eine Darstellung von "Opposition". Ist es eine Gegenkraft zur Bewerbung?

Die Beziehungen zwischen den Individuen der Gruppe, ob nun hierarchisch oder sozial, werden sicherlich einfache Kanten werden. Bewerbung läuft als Pfeil entlang dieser Kanten entweder Bottom Up (Pfeilspitze oben) oder Top Down (Pfielspitze nach unten).

06. Dezember 2008

Ja, ich weiss...

Ja, ich weiss: Meine Blogeinträge beinhalten Tippfehler. Das ist auf einem Blog aber völlig akzeptabel (auch wenn ich gerade drauf und dran war, meinen letzten Artikel zum zehnten mal zu öffnen) . "Dass" oder "das" spielt beim Notieren von Inhalten, die einem so im Kopf herumspuken und die man diskutieren mag aber keine große Rolle. Klar ist es toll wenn alles stimmt, aber ein wenig darf man sich hier schon verhalten, wie eine Sekretärin es Anfang des letzten Jahrhunderts gehalten hat, als Schreibmaschinen noch Standard waren. Damals waren 4-5 Tippfehler pro Seite durchaus akzeptabel: Es wäre zu viel Aufwand gewesen die komplette Seite neu zu tippen. Das Akzeptieren dieses Sachverhaltes hat damalige Sekretärinnen schneller kommunizieren lassen als heutige. Nicht jede Innovation hat also nur positive Auswirkungen. (Es hängt wie immer davon ab, wie man etwas nutzt und den richtigen Mix zu finden)

Mein Schwager mag Innovation

Innovation tritt unerwartet auf. Wir erwarten sie zwar von Unternehmen, Universitäten und Forschungsstätten, aber meistens kommen sie von der "Graswurzel" aus. Hier ist auch der Ort, an dem Innovationen am ehesten aufgegriffen werden. Man muss halt nicht auf einen Gruppenkonsenz oder allgemeine Akzeptanz warten. Da ich privat beliebige Kontakte halten kann, ist die Chance auch größer, andere zu finden, die meinem Verhalten nacheifern und mir folgen (meiner Meinung nach ein wichtiger Antrieb für uns, um neue Sachen auszuprobieren: Es schafft potentiell Anerkennung. Es ist der Hauptgrund dafür, warum Menschen eine Nintendo Wii kaufen: Man will sie anderen zeigen).

Menschen die solche Innovationen früh aufgreifen "überzeugen niemanden aktiv" sondern "führen ein Thema an". Ihnen ist es egal wer ihre Idee aufgreift oder nicht, sie erzeugen aber einen Sog und ziehen damit Menschen an, die ihnen eigenständig folgen.

"Eigenständiges Folgen" signalisiert, dass etwas "geklickt" hat. Und wenn es "klickt", brauche ich keine Argumente mehr für etwas: "Klicken" heisst "als Verhalten abspeichern und akzeptieren". (Man beachte jedoch, das akzeptiertes, abgespeichertes Verhalten über die Zeit zum Hindernis für "Neues" werden kann).

Mein Schwager ist ein solcher Themen-Anführer. Er arbeitet als Installateur, also in einem grundsoliden Beruf, und nicht an einem Ort, wo man klassisch nach Innovation suchen würde.

Er war einer der ersten Besitzer eines C-Netz-Telefons, was zu seiner Zeit exorbitant teuer und als extrem spinnert verschrien war. Klar, wir haben uns alle an der Technik begeistert, aber der Sinn des Ganzen hat sich zumindest mir damals nicht erschlossen. Das Motorola-Teil sah potthässlich aus (Stichwort "Knochen"), war nicht wirklich stabil, die Akkulaufzeit war gering, von 100% Netzabdeckung war nicht zu reden und ich sah nicht eine einzige sinnvolle Anwendung dafür.

Neidisch war ich trotzdem, schließlich war das für mich ein "magisches Spielzeug". Mein Schwager hat es jedoch als Werkzeug gesehen. Für ihn war es ein Wettbewerbsvorteil, weil er in seiner Branche einer der ersten war, der "sein Büro" mitnehmen konnte. Dabei muss man verstehen, was der Begriff "Büro" für ihn bedeutet: Es ist für ihn der Ort des Kundenkontaktes. Der Ort, an dem man "wartet" und "Zeit verschwendet", wenn man gerade keinen Auftrag hat.

Ein Mobiltelefon zu haben hat nicht einfach seine Erreichbarkeit für Kunden erhöht, sondern ihm massig unproduktive Wartezeit erspart. Der Ort, an dem er Aufträge ausführte ("beim Kunden") war mit einem Mobiltelefon räumlich und zeitlich nicht mehr von dem Ort, an dem er Aufträge annehmen konnte ("im Büro") getrennt. Der Effekt für ihn: Die Zeit, in der er wartete, reduzierte sich und die Kunden registrierten obendrein einen besseren Service. (Viele, die den besseren Service erlebt haben, haben sicher selbst danach über ein Mobiltelefon nachgedacht).

Wie lange existierte dieser Vorteil für meinen Schwager? Bis jeder seiner Mitbewerber ein Mobiltelefon hatte. Aber auch wenn dieser Vorteil heute nicht mehr existiert, hält er sein Mobiltelefon weiterhin. Schließlich ist es jetzt kostengünstig und ein Standard. Genauso wie sein Festnetzanschluß, sein Faxgerät, ... sein Internetzugang, ... seine Webseite.

Letztere mag er nicht sonderlich. Sie ist schwer für ihn zu pflegen. Ich bin irgendwie sicher, dass wenn ich ihm Weblogs demonstriere, wird er unbedingt eins haben wollen.

Im Unternehmen habe ich mit der Einführung definitiv größere Widerstände zu überwinden. Ich stelle immer wieder fest, dass feste Gruppen viel schwieriger zu begeistern sind als Individuen im losen Verbund. Es wäre interessant alle Gründe herauszukriegen, an denen das liegt.