Es war nie so leicht wie heute das Betriebssystem zu wechseln. Windows ist nicht wirklich eine Einbahnstraße mehr; dank offener Standards kann ich meine Dokumente in der Regel leicht auf anderen Plattformen wiederbenutzen:
- PDF hilft mir meine Dokumente in die Welt zu verteilen ohne dass jeder gleich Word braucht
- Offene Dokumentformate erlauben das Verbinden von Welten
- Das Internet und das dort aufkommende Cloud-Computing setzt in vielen Fällen nur noch einen Browser voraus, damit ich teilnehmen kann.
Ich glaube auch Microsoft tut das gut: Es gibt viele Argumente dafür, einen Windows PC zu benutzen. Es passt nur bei mir nicht mehr auf die Arten von Arbeit die ich erledigen möchte.
Ich fühle mich derzeit nicht mehr durch MS Office eingesperrt, und das macht mir Microsoft auch wieder sympathischer. Würde ich mehr spielen, hätte ich bestimmt neben einem Mac auch noch einen PC. Oder hätte Windows in Bootcamp installiert. Lizenz ist Lizenz, Microsoft ist was das angeht sogar offener als Apple (aber Apple hat halt ein anderes Konzept, über das man wie in allem mit den Füssen abstimmen kann. Schließlich gibt es ja auch noch Linux).
Dokument-Formate und Portabilität von Daten sind der Schlüssel für dieses Freiheitsgefühl. Dass Anwendungen nur für Mac oder nur für Windows existieren spielt eine untergeordnete Rolle.
Gestern hatte ich allerdings einen Fall, in dem Microsoft meiner Meinung nach nachbessern muss. Aus Image-Gründen. Denn da stellte sich urplötzlich eine Kommunikationskomponente als Vendor-Lock-In heraus, namentlich der Microsoft Messenger.
Man kann zum Messenger stehen wie man will: Kids benutzen ihn gerne. Mein Sohn auch. Seine ganze Klasse benutzt ihn als Werkzeug. Klar, das Tool ist kostenlos. Und ja, das Core-Messaging davon funktioniert auch mit Fremdtools wie Adium auf anderen Plattformen. Aber es gibt ein anderes Problem.
Als ich im letzten Monat beschlossen habe ein neues macbook anzuschaffen, haben sich meine Zwerge um das alte macbook fast geprügelt. Allerdings nur bis zu dem Punkt, an dem mein Sohn merkte, dass sein Lieblings-Messenger zwar vorhanden ist, aber nicht alle Features auf dem Macintosh bietet. Es ist wichtig für seine Community, dass er mit allen Features wie Messenger-Spielen, grafischem Schnickschnack und Voicechat voll eingebunden ist. Er fühlt sich sonst nicht als Teil. Und das ist der Lock-in:
- Nur unter Windows ist der MS Messenger vollständig
- Die meisten Mitglieder der Community meines Sohnes benutzen Windows
- Der Messenger ist ein Tool das "nebenläufig" zu anderen Programmen im Hintergrund seine Dienste tut
Besonders der letzte Punkt wirkt sich dramatisch aus: Er ist nicht durch Bootcamp oder mehrere installierte Betriebssystem zu lösen. Wenn mein Sohn die OSX Anwendungen mag, ihm aber nur der passende Messenger als Zugang zu seinem Sozialen Netz fehlt, sperrt ihn das mehr ein als das ein Office-Paket je tun könnte.
Kommunikations-Software dient dazu mein Netz an Sozialkontakten zu pflegen. Sie sollte uns gerade wegen ihres sozialen Charakters nicht auf einem Betriebssystem einsperren. Wenn freie Kommunikationslösungen das nicht gleichwertig auf allen Plattformen tun, heißt für mich "kostenlos" ganz bestimmt nicht "ohne Preis".
Ich fände es schön wenn Microsoft hier nachbessert. Es wäre gut für das Image. Und ich würde exakt mit so etwas werben: "At Microsoft we don't lock you in".
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